Pilgern

Pilgern mit Pfarrer Schultheiß

 

Seit einem Jahrzehnt boomt das Pilgern. Gemeinschaft, Bewegung, Natur, Kultur und Spiritualität können hier ganz intensiv erlebt werden. Für viele Menschen eine Möglichkeit, um aus den Alltag auszusteigen und Abstand zu bekommen. Pfarrer Schultheiß lädt deshalb jedes Jahr zum Pilgern ein. Aber was ist das überhaupt „Pilgern“?

Pilgern ist ein spirituelles Wandern. Wer pilgert, der macht sich auf den Weg zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zu Gott. Pilgern heißt sich aus dem Alltagsstress auszuklinken und sich Zeit für Körper und Seele zu nehmen. Und natürlich soll auch die Gemeinschaft mit den Mitpilgernden nicht zu kurz kommen.

Eine der letzten Reisen führte über den Jakobsweg von Crailsheim nach Ulm auf den Spuren des malenden Pfarrers Sieger Köder. Bilder davon gibt es in unserer Gallery. Hier ein Reisebericht von Ilse Moritz:

Aus allen Richtungen führen Jakobswege zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Campostella in Spanien. Auf die Frage, wo der Jakobsweg beginnt, hört man in Spanien: „Der Weg beginnt vor Deinem Haus“.

Unser Weg mit Pfarrer Schultheiß begann frühmorgens am Tölzer Bahnhof mit Auto-/Bahnfahrt nach Crailsheim, wo wir sechs weitere Pilgerinnen und Pilger aus Mainfranken trafen. Nach herzlicher Begrüßung und versehen mit dem Pilgersegen machten wir uns beherzten Schrittes auf den vor uns liegenden Abschnitt des fränkisch-schwäbischen Jakobsweges zwischen Crailsheim und Ulm. Ein kleines Emailschild  - weiße Jakobsmuschel auf blauem Grund – war fortan unser Wegweiser.

Das Ziel unseres Weges konnte nicht Santiago sein - zu weit - und auch nicht Ulm. Unser Ziel war der Weg. Dieser Weg führte uns zunächst durch das Hohenloher Land, danach in die Ostalbregion. Wir querten das Kochertal, folgten ein Stück dem Limes und bewältigten schließlich den steilen Anstieg auf die schwäbische Alb. Wir durchquerten kleine Ortschaften, sangen unsere Lieder in den Jakobskirchen und –kapellen am Wege. Das Pilgermotto „Der Weg ist das Ziel“ erschloss sich uns mit jedem Schritt. Da war die Freude am Gehen morgens nach erholsamem Schlaf, die Freude am weiten Blick über die liebliche, leicht hügelige Landschaft der Ostalbregion, der Genuss der Stille, wenn wir schweigend wanderten, da war auch gegen Abend die Mühsal des Pilgerns, wenn Beine und Rücken schmerzten. Das aufmunternde Gespräch mit den Weggenossen half dann bis die Herberge erreicht war und man unendlich erleichtert Rucksack und Stiefel abgelegen konnte

Zu den wichtigen Erfahrungen, die uns der Pilgerweg bescherte gehörten außergewöhnliche Begegnungen. Da erlebten wir bei einem heftigen Gewitter den nahen Blitzschlag in einen Baum, dessen zerfetzter Stamm dann auf unserem Weg lag. Da trafen wir auf eine „Jakobs-begeisterte“, eine von Energie und Ideen strotzende junge Frau, die einen wunderschönen Jakobspavillon hatte erbauen lassen und nun ein altes Gehöft daneben, die Klotzhöfe, zu einer Pilgerherberge gestaltet. Da begegneten wir in seinen zahlreichen Kunstwerken dem Maler-Pfarrer Sieger Köder. Er bezeichnet sich selbst als einen „Prediger in Bildern“. Besonders beeindruckt haben uns der großartige Flügelaltar in seiner der Kirche zu Rosenberg, die wunderschönen Glasfenstern in der Kirche und die gemalte Jakobuslegende am Jakobushaus in Hohenberg. Schließlich - und das ist eine der besonderen Erfahrungen des Weges - begegnet der Pilger sich selbst

Den letzten Tag verbrachten wir in Ulm. Befreit nun von Gepäck und schweren Schuhen genossen wir eine Führung durch das Münster und das Fischerviertel sowie eine letzte gemeinsame Mahlzeit. Alle fühlten sich reich beschenkt.


Previous page: Proseken
Nächste Seite: Kindergarten Arche Noah