Palästina

Aus Anlass des einjährigen Bestehens des Partnerschaftsvertrages des Dekants Bad Tölz mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) besuchten Vertreter der palästinensischen Lutheraner aus den Städten Aman, Ramallah, Bethlehem und Jerusalem unter der Führung von Bischof Dr. Munib Younan vom 10. bis 18. März 2006 unser Dekanat, um sich einen Eindruck über das Leben in unserer Region und die Aktivitäten der evangelischen Kirche hier zu verschaffen. Partnerschaft lebt von Begegnungen, davon, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Deshalb haben wir unseren Besuchern mit einem umfangreichen Besuchsprogramm in unseren Gemeinden viele verschiedenartige Treffen mit den Gemeindemitgliedern vermittelt, damit möglichst viele den Kontakt mit unseren Partnern aufnehmen konnten.


Ein Höhepunkt im Besuchsprogramm der Delegation der Evangelisch Lutherischen Kirche in Jordanien und im Hl. Land war der gemeinsame Gottesdienst in der Friedenskirche in Bad Wiessee. In englischer, deutscher und arabischer Sprache wurde gebetet, verkündet, gesungen und das Hl. Abendmahl gefeiert. Bischof Munib Younan betonte in seiner kurzen Ansprache die Einheit der Gemeinden und Kirchen in Christus und wies auf die Bedeutung des gemeinsamen Zeugnisses aller Christen in der Welt. "Dies sei ein Zeichen des Friedens, das niemand in der Welt übersehen könne." Zuvor hatten alle Partnergemeinden des Dekanats und der ELCJHL Erde aus ihrer Region zusammengetragen, ein Zeichen der Besonderheit und Eigenart jeder einzelnen Gemeinde. Bischof Munib Younan und Dekan Martin Steinbach mischten diese Erde und pflanzten Sonnenblumenkerne um deutlich zu machen, dass auf gemeinsamem Boden neues entstehen solle. In jeder Gemeinde wird nun im Sommer diese Sonnenblume "auf gemeinsamem Boden" wachsen können und für die Botschaft dieses Partnerschaftsgottesdienstes stehen.


Auch Landesbischof Dr. Johannes Friedrich empfing die Delegation der ELCJHL um Bischof Munib Younan zu einem gemeinsamen Mittagessen. Friedrich, der von 1985 bis 1991 selbst Probst an der Erlöserkirche in Jerusalem war, wies auf die engen Verbindungen der Bayerischen Landeskirche zur Evangelisch Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Hl. Land hin. Mit großer Aufmerksamkeit und Anerkennung beobachte man das Engagement der Partnerkirche für Gerechtigkeit und Frieden im Hl. Land und unterstütze diese Bemühungen aus ganzem Herzen. Die Brückenfunktion, die die Evangelische Kirche im Hl. Land im Dialog zwischen Muslimen und Christen, aber auch zwischen Israelis und Palästinensern einnehme, sei von großer Bedeutung.


In einer Konferenz mit den Pfarrerinnen und Pfarrern des Dekanats Bad Tölz entwickelte Bischof Dr. Munib Younan von der ELCJHL unter anderem seine Vision vom Frieden im Hl. Land. Seine Grundeinschätzung fasst er dabei in dem Satz zusammen: Es werde keinen, auch von ihm selbst ersehnten und erbetenen, Frieden für Israel geben, ohne Gerechtigkeit und Freiheit für Palästina.
Fünf Punkte nannte er dabei als zielführend für diesen Frieden:

1) Es müsse eine zwei-Staaten-Lösung angestrebt werden, ein souveräner Staat Palästina neben einem souveränen Staat Israel, und das auf Grund der Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg (1967).

2) Jerusalem müsse eine gemeinsame, wenn auch geteilte Stadt für beide Völker werden. Sie müsse sowohl jüdisch, christlich und muslimisch ausgerichtet sein, wie auch israelisch und palästinensisch.

3) Es müsse ein Recht auf Rückkehr vertriebener und umgesiedelter Palästinenser geben.

4) Es dürfe keine israelischen Siedlungen auf palästinensischem Territorium geben und keine israelische Mauer um palästinensische Städte.

5) Die Ressourcen, besonders die Wasservorräte müssten gerecht verteilt werden. Derzeit bekäme z.B. die palästinensische Stadt Bethlehem von Israelis einmal in zehn Tagen Wasser zugeteilt, während für die Swimming-pools in israelischen Siedlungen um Bethlehem herum jederzeit unbegrenzt frisches Wasser zur Verfügung stehe.

Younan bezeichnete den Kampf für Gerechtigkeit, nicht nur in Palästina sondern auch weltweit, als eine zentrale, geistliche Aufgabe im Sinne des Evangeliums. Seine Kirche versuche, sich aktiv und vermittelnd an dieser Aufgabe zu beteiligen. Vor diesem Hintergrund bat der Bischof auch die Christen im Dekanat Bad Tölz um Unterstützung und Gebete für diesen zu einem nachhaltigen Frieden führenden Weg.


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